Psychologie in Erziehung und Unterricht

Zeitschrift für Forschung und Praxis

Herausgeber: Köller, Olaf / Lewalter, Doris / Saalbach, Henrik / Walper, Sabine

1. Auflage Heft 2, 2017.

€ [D] 58,00 / € [A] 59,70

DOI: 10.2378/peu2017.art06d
Wahiba El-Khechen, Nele McElvany, Ilka Wolter, Ursula Kessels:
Empirische Arbeit: Was heißt „kannibalisch“, „foltern“ und „zerstören“?
What Does “Cannibalistic”, “to Torture” and “to Destroy” Mean?

2017, 123-137

Der Wortschatz spielt für die schulische Leistungsentwicklung eine herausragende Rolle. Befunde zur Bedeutung von Geschlechterstereotypen im Kindesalter lassen vermuten, dass Mädchen und Jungen unterschiedliche Kenntnis über weiblich und männlich konnotierte Wörter aufweisen könnten. Zudem wird angenommen, dass bei Kindern mit Zuwanderungshintergrund diese geschlechtsspezifischen Unterschiede im Wortschatz stärker ausgeprägt sind, da die bisherige Forschung auf eine traditionellere Geschlechterrollenorientierung in Familien mit Migrationshintergrund hinweist. Erwartungskonform zeigte sich in der untersuchten Stichprobe von Grundschulkindern (N = 371) ein Vorteil der Jungen bei männlich konnotierten Wörtern, ein Vorteil von Mädchen bei weiblich konnotierten Wörtern und ein vergleichbarer Wortschatz beider Geschlechter bei neutralen Wörtern. Differenzierte Analysen zeigten, dass diese geschlechtsspezifischen, qualitativen Differenzen im Wortschatz nur bei Kindern mit Migrationshintergrund nachzuweisen sind, die damit nicht nur einen insgesamt geringeren Wortschatz, sondern auch einen stärker nach Geschlecht differenzierten Wortschatz als Kinder mit deutscher Familiensprache aufweisen. Die Bedeutung der Befunde für die pädagogische Praxis und Forschung wird diskutiert.

Summary: Vocabulary plays a prominent role in the development of academic performance. Findings on the significance of gender stereotypes suggest that children could have different knowledge about female and male connoted words depending on their gender. It is also expected that in families with immigrant backgrounds these gender differences in children’s vocabulary could be more pronounced, as previous research indicates that these families have a more traditional gender-role orientation. As expected, a sample study of primary school children (N = 371) revealed that boys had a vocabulary advantage with male-associated words, girls an advantage with female-associated words, and a comparable vocabulary of both sexes with words deemed neutral. Differential analysis showed that these gender specific, qualitative differences in the vocabulary only occurred in children with an immigrant background who not only have a lower overall vocabulary, but also a vocabulary more differentiated by gender than children from a German language family. The findings are discussed in terms of their significance for educational practice and research.

Keywords: Vocabulary, gender typing, migration background, qualitative differences, primary school

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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