Psychologie in Erziehung und Unterricht

Zeitschrift für Forschung und Praxis

Herausgeber: Köller, Olaf / Lewalter, Doris / Saalbach, Henrik / Walper, Sabine

1. Auflage Heft 2, 2015.

€ [D] 58,00 / € [A] 59,70

DOI: 10.2378/peu2015.art10d
Christian Schöber, Jan Retelsdorf, Olaf Köller:
Verbales schulisches Selbstkonzept und sprachliche Leistungen in Gruppen mit und ohne Migrationshintergrund
Verbal Academic Self-Concept and Achievement in Groups With and Without Migration Background

2015, 89-105

In der vorliegenden Arbeit analysieren wir das Zusammenspiel von sprachlichen Leistungen (Leseverstehen und Rechtschreibkompetenzen) und dem verbalen schulischen Selbstkonzept bei Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund. In zwei Stichproben (Kohorte 1: n = 1001 Jugendliche aus 44 Klassen; Kohorte 2: n = 855 Jugendliche aus 38 Klassen) aus unterschiedlichen Schulformen (Gymnasium vs. andere) wurden die Rechtschreib- und Leseleistungen zu Beginn der fünften (T1) und der siebten Jahrgangsstufe (T2) erhoben. Zusätzlich wurde das verbale schulische Selbstkonzept erfasst. Im Einklang mit der existierenden Forschungsliteratur konnten wir zunächst nach Kontrolle der Schulform zu beiden Zeitpunkten signifikant niedrigere Leistungen in der Gruppe mit Migrationshintergrund nachweisen. Keine signifikanten Differenzen ergaben sich im verbalen Selbstkonzept. Die Entwicklung des verbalen Selbstkonzepts und der Leistungen verlief in beiden Gruppen ähnlich. Weitere Auswertungen ergaben reziproke Effekte von sprachlichen Leistungen und verbalem Selbstkonzept, d. h. sprachliche Leistungsmaße zeigten positive Effekte auf die Veränderung des verbalen Selbstkonzepts und ein höheres verbales Selbstkonzept ging mit einer günstigeren Entwicklung sprachlicher Leistungen einher. Die Effekte waren robust in unterschiedlichen Schulformen und in Gruppen mit und ohne Migrationshintergrund. Implikationen für die schulische Praxis werden diskutiert.

Summary: The present study was carried out to analyze the relationship between academic achievement (reading and spelling) and verbal academic self-concept in groups of migrant and non-migrant students. Two samples (cohort 1: n = 1001 students from 44 classes; cohort 2: n = 855 students from 38 classes) from different school types (academic track vs. non-academic track) worked on standardized spelling and reading tests and verbal self-concept items at the beginning of grade 5 (T1) and the beginning of grade 7 (T2). In line with the existing literature, migrant students had lower achievement levels at T1 and T2, even after controlling for school type, but differences in verbal self-concept failed to be significant. Change in verbal self-concept and achievement was similar in both groups. Further analyses provided evidence for the reciprocal effects model, i.e., verbal self-concept had positive effects on change in achievement while at the same time achievement had posi-tive effects on change in verbal self-concept. These reciprocal effects were not moderated by school type or students’ migration background. Practical implications of the findings are discussed.

Keywords: Reading, spelling, verbal self-concept, migration background

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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