Frühförderung interdisziplinär

Zeitschrift für Frühe Hilfen und frühe Förderung benachteiligter, entwicklungsauffälliger und behinderter Kinder

Herausgeber: Speck, Otto / Hollmann, Helmut / Peterander, Franz / Simoni, Heidi / Walthes, Renate

1. Auflage Heft 3, 2015.

€ [D] 29,00 / € [A] 29,90

DOI: 10.2378/fi2015.art17d
Jürgen Kühl:
Interdisziplinäre Frühförderung und Frühpädagogik
Early Childhood Intervention and Early Education Reflection about an Interface

2015, 131-140

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr > KiföG § 24 (2) < wird zunehmend auch von Eltern wahrgenommen, deren Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtig sind. Diese Familien und ihre Kinder wurden häufig schon vor der Aufnahme in eine Krippe von der Interdisziplinären Frühförderung begleitet, wenn sie als „behindert“ oder „von Behinderung bedroht“ diesen Anspruch haben. – Die meisten Krippen waren und sind auf die Aufnahme dieser Kinder fachlich nicht vorbereitet, sodass eine Zusammenarbeit mit Interdisziplinären Frühförderstellen notwendig ist. Wie ist die Frühförderung auf diese Arbeit an zwei Orten konzeptionell vorbereitet? Und wie setzen sich die ca. 100 Studiengänge Frühpädagogik, die im letzten Jahrzehnt entstanden sind, mit dieser Situation auseinander? Diese Schnittstelle wird aus den Perspektiven der jeweiligen Arbeitsgebiete untersucht. Auch wenn dabei die Philosophie der Inklusion als gemeinsamer Ausgangspunkt ausgemacht werden kann und die Zusammenarbeit vielerorts stattfindet, steht derzeit die rechtlich notwendige Einordnung „behindert“ – als Stigmatisierung – offenbar der frühpädagogischen Maxime der „Diversity“ konzeptionell im Wege. Diese Schnittstelle bedarf notwendigerweise der konstruktiven fachgerechten Weiterentwicklung in der Zusammenarbeit der Interdisziplinären Frühförderung und der Frühpädagogik, um den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder und der Einbeziehung der Familie im Sinne allgemeiner Menschenrechte zu entsprechen.

Summary: Since August 2013 children of the age of one year have the legal right to attend a crèche. Parents of a young child with developmental problems increasingly use this possibility. Before going to a crèche, specialists of Early Intervention Centers often accompanied those children – classified as “disabled” or “at risk” – and their families. Most of these institutions were professionally not prepared to support children with disabilities and other developmental problems. In those cases, cooperation with an Early Intervention Center is necessary. Is there a conception existing in those centers how to work simultaneously in two locations – home and crèche? During the last decade, about 100 studies of educational theory of early childhood were established. How do they deal with this situation? This interface in the perspective of the two fields of work is the topic of this article. On the one hand, the philosophy of inclusion is a common starting point and the cooperation actually takes place in many institutions. On the other hand, the legal necessity to classify the child as disabled or at risk as a labelling act seems to be contradictory to the principle of “diversity” in early education. Obviously, this interface between the two fields of work needs to be thoroughly discussed in a way that the special needs of a child and the inclusion of the family are sufficiently respected in view of human rights.

Keywords: Early Childhood Intervention, Early Education, Inclusion, Interdisciplinary Co-operation

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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