Frühförderung interdisziplinär

Zeitschrift für Frühe Hilfen und frühe Förderung benachteiligter, entwicklungsauffälliger und behinderter Kinder

Herausgeber: Speck, Otto / Hollmann, Helmut / Peterander, Franz / Simoni, Heidi / Walthes, Renate

1. Auflage Heft 4, 2014.

€ [D] 29,00 / € [A] 29,90

DOI: 10.2378/fi2014.art24d
Hellgard Rauh:
Erkenntnisse aus der vorsprachlichen Kommunikationsentwicklung
Research findings from preverbal communication development

2014, 194-218

Zusammenfassung: Vorsprachliche Kommunikationskompetenzen bereiten nicht nur die Basis für die spätere Sprach- und symbolische Entwicklung, sondern auch für das Sozialverhalten, für emotionale Balance und das Selbstwertgefühl. Frühe präventive und therapeutische Programme erwiesen sich als besonders wirksam, wenn sie an diesen frühen Kompetenzen und ihren Vorläufer ansetzten. Vorsprachliche, direkte Kommunikation hat viele Aspekte und beinhaltet nicht nur den Austausch intendierter Botschaften und nicht-intendierter emotionaler Signale, sondern auch die Fähigkeit, Mimik zu „lesen“, die eigene Aufmerksamkeit an der des Partners auszurichten bzw. die Aufmerksamkeit des Partners zu steuern bzw. die Perspektive des Partners einzunehmen und seine Kenntnisse, Motive und Absichten zu berücksichtigen. Beglückende Kommunikationsepisoden weisen zudem eine typische zeitliche Struktur und einen gemeinsamen Rhythmus sowie eine klare emotionale Kontur auf. Dieser Beitrag berichtet über die frühe Entwicklung dieser Kommunikationsaspekte entsprechend den jüngsten Forschungsergebnissen, gegliedert nach zwei Altersphasen: den ersten sechs Lebensmonaten (Normalentwicklung) mit dem Hauptziel der Kommunikation, das Kind in seiner Verhaltensregulation zu unterstützen, und den nächsten zwölf Monaten bis zum Sprachbeginn, wenn die Kommunikation zunehmend über Objekte und Themen von gemeinsamem Interesse erfolgt. Die Qualität der Eltern (Bezugsperson-)-Kind-Interaktion vertieft die sozial-emotionale Bindung und bildet ein wichtiges strukturelles und sozial-emotionales Fundament für die weitere Kommunikationsentwicklung, besonders und gerade auch bei Risikokindern und Kindern mit frühen Beeinträchtigungen.

Summary: Summary: Preverbal communication competencies prepare not only for later language and symbolic development, but also for social interaction, emotional balance and feelings of self-worth. Early preventive and therapeutic programs turned out to be especially effective when they built upon and elaborated these early competencies and their precursors. Preverbal, direct communication is multi-faceted and consists of intended messages as well as of non-intended emotional signals. It implies the ability to “read” facial gestures, to join into and to direct the partner’s focus of attention, and to take into account the partner's perspective, i.e. his / her knowledge, motives, and intentions. Enjoyable joint communications are characterized by a typical formal structure and rhythm and a clear emotional contour. This article presents the development of these early aspects of communication according to recent research findings for two age phases, the first six months of life with the major aim of communication to aid the infant in his / her emotional behavior regulation; and the next twelve months until speech onset when communication occurs increasingly about objects and topics of joint interest. The quality of infant-caretaker interaction and attachment is stressed as a major structural and social-emotional support for the infant's communication development, and seems to be of even increased importance for children with early risks and handicaps.

Keywords: preverbal communication, early intervention, emotion regulation, face perception, imitation, joint attention, perspective taking, sensitivity, attachment

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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