Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete (VHN)

Herausgeber: Hartmann, Erich / Herz, Birgit / Kuhl, Jan

1. Auflage Heft 1, 2014.

€ [D] 28,00 / € [A] 28,00

DOI: 10.2378/vhn2014.art04d
Helga Fasching, Natalia Postek:
Grounded Theory und Intersektionalitätsforschung zur Analyse biografischer Interviews von Frauen mit intellektueller Beeinträchtigung
Grounded Theory and Intersectionality Research as Instruments to Analyze Biographical Interviews with Women with Intellectual Disabilities

2014, 46-60

Der Beitrag zeigt den Mehrwert der Grounded Theory in Verbindung mit der Intersektionalitätsforschung zur Analyse von lebensgeschichtlichen Erfahrungen bei Frauen mit intellektueller Beeinträchtigung auf. Damit wird eine Weiterentwicklung der Frauen-/Geschlechterforschung zu einer Intersektionalitätsforschung im Feld der (inklusiven) Bildung angestrebt. Mittels der Forschungsmethode der Grounded Theory werden lebensgeschichtliche Erfahrungen von vier Frauen mit intellektueller Beeinträchtigung auf der Identitätsebene analysiert und anschließend mit der Repräsentations- und Strukturebene in Verbindung gebracht. Die Ergebnisse zeigen, wie sehr vorgegebene gesellschaftliche Strukturen und unterschiedliche weibliche Rollenzuschreibungen auf die Identität der Frauen mit intellektueller Beeinträchtigung einwirken. Die betroffenen Frauen eignen sich Geschlechtermerkmale in einem „Identitätsspagat“ zwischen emanzipiert-selbstbewusster und tugendhaft-zurückhaltender Frauenrolle an. Dieser Identitätsspagat ist von ihnen kaum auszuloten und führt meist zu einer Negierung der einen sowie der verstärkten Betonung und Identifikation mit der anderen Rolle.

Summary: The article discusses the added values by using Grounded Theory in relation to intersectional analysis of biographical experiences of women with intellectual disabilities. Therewith, a further development of Women/Gender Studies towards Intersectional Studies in the field of (inclusive) education is intended. Four biographical interviews with women with intellectual disabilities were analyzed on the identity-level, using the Grounded Theory as research method, and then were related to the representational and the structural level. The results show how given social structures impact on the assignment of social roles on the identity-level of these women: The women with intellectual disabilities are performing an “identitysplit” between the role of an emancipated and self-confident and the role of a virtuous and reserved woman. These two roles are hardly balanceable, which leads to the negation of one of the two roles and the positive enhancement of the other one.

Keywords: Women with intellectual disabilities, Grounded Theory, Intersectionality, biographical experiences

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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