Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete (VHN)

Herausgeber: Hartmann, Erich / Herz, Birgit / Kuhl, Jan

1. Auflage Heft 1, 2012.

€ [D] 28,00 / € [A] 28,00

DOI: 10.2378/vhn2012.art02d
Helmut Heid:
Der Beitrag des Leistungsprinzips zur Rechtfertigung sozialer Ungerechtigkeit
The Contribution of the Merit Principle to Justify Social Injustice

2012, 22-34

Das Leistungsprinzip gilt als das Prinzip sozialer Verteilungsgerechtigkeit. Verteilt werden knappe Güter (darunter Lerngelegenheiten) auf Menschen und Menschen auf erstrebenswerte Positionen im Bildungs- und Beschäftigungssystem. Der vorliegende Beitrag geht von der These aus, dass es Leistung gar nicht gibt. Ganz unterschiedliche Verhaltensweisen können mit Bezug auf ein dafür unentbehrliches Beurteilungskriterium als Leistung bewertet werden. Das führt zu der Frage: Welche Verhaltensweise wird unter welchen Bedingungen - von wem - mit Bezug auf welches Kriterium - als Leistung anerkannt. Mit Antworten auf jede dieser Teilfragen lässt sich zeigen, dass das Leistungsprinzip ungeeignet ist, soziale Gerechtigkeit zu gewährleisten. Definitionsmächtige Nutznießer jeweiliger Ungleichheitsstrukturen verwenden das von ihnen selbst konkretisierte Prinzip, um ihre eigenen Vorteile als leistungsgerecht zu legitimieren. Die Erziehung zur Leistungsbereitschaft trägt dazu bei, diese Funktion des Leistungsprinzips im Bewusstsein unterschiedlich davon Betroffener zu verankern.

Summary: The merit principle is the primary principle of distributive justice. Scarce goods (including learning opportunities) are distributed among people and people among desirable positions in the educational and the employment system. This article defends the thesis that performance by itself does not exist. Completely different behaviours can be assessed as performances with respect to a particular set of criteria. This raises the following questions: Which behaviour is approved as a performance? On what conditions? By whom? With reference to which criterion? The answers to each of these questions reveal that the merit principle is not appropriate to ensure social justice. Definatory powerful -beneficiaries of the inequality structures use their self-concretised principle to legitimise their own benefits as being fair and equitable. To teach achievement potential and performance -capability contributes to entrench this quality of the merit principle in the minds of differently concerned persons.

Keywords: Performance and merit principle, justice and distributive justice, educational equality

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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