Frühförderung interdisziplinär

Zeitschrift für Frühe Hilfen und frühe Förderung benachteiligter, entwicklungsauffälliger und behinderter Kinder

Herausgeber: Speck, Otto / Hollmann, Helmut / Peterander, Franz / Simoni, Heidi / Walthes, Renate

1. Auflage Heft 4, 2011.

€ [D] 29,00 / € [A] 29,90

DOI: 10.2378/fi2011.art21d
Josef Zihl, Julia A. Zihl, Susanne Schuett:
Entwicklungsneuropsychologie des Sehens
Developmental Neuropsychology of Vision

2011, 213-223

Die Entwicklung der verschiedenen Teilfunktionen der visuellen Wahrnehmung beginnt nach der Geburt und erfolgt in enger Abstimmung zwischen dem aktuellen morphologischen und funktionellen Entwicklungsstand des visuellen Systems und der individuellen visuellen Umwelt des Kleinkindes. Die postnatale Entwicklung der visuellen Wahrnehmung zeigt eine rasche Steigerung der Aufnahme-, Verarbeitungs- und Speicherungsfähigkeit zunehmend komplexerer visueller Informationen; dadurch wird eine altersentsprechende visuelle Wahrnehmungskompetenz sichergestellt. Sehr frühe visuelle Wahrnehmungspräferenzen für komplexe Reize (z. B. Gesichter) weisen auf eine genetische Grundlage einiger visueller Wahrnehmungsleistungen hin, die durch visuelle Erfahrungen allerdings noch ausdifferenziert werden. Frühkindliche Entwicklungsstörungen können in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache sehr spezifische Folgen haben und nur eine Sehleistung (z. B. visuelles Erkennen) oder mehrere Sehleistungen betreffen. Typischerweise findet sich ein Störungsmuster aus mehreren visuellen „Teilleistungsstörungen“ und zusätzlichen kognitiven Beeinträchtigungen. Für die Diagnostik und Behandlung von visuellen Entwicklungsstörungen ist deshalb die Erstellung eines Gesamtprofils erforderlich, das betroffene und erhaltene Sehfunktionen und -leistungen sowie auch den individuellen kognitiven Entwicklungsstand berücksichtigt.

Summary: The development of different visual functions begins after birth. Visual percep-tion develops in accordance with the actual morphological and functional developmental stage of the visual system and the individual visual world of the infant. Postnatal visual development is characterised by a rapid increase in the ability to acquire, process and store increasingly complex visual information, ensuring age-appropriate visual functioning. Perceptual preferences for complex stimuli (e. g. faces) can be observed very early and seem to indicate the genetic basis of some visual functions, which are nevertheless further differentiated by visual experience. Depending on the underlying cause, early developmental disorders can have very specific consequences affecting only one visual function and ability (e. g. visual recognition). Most commonly, however, infants show multiple visual disorders and additional cognitive deficits. Assessing both the affected and preserved visual functions and abilities with consideration of the cognitive development is therefore of great importance for an effective diagnosis and treatment of visual developmental disorders.

Keywords: visual perception, development, cerebral visual disorders, developmental neuropsychology

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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