Frühförderung interdisziplinär

Zeitschrift für Frühe Hilfen und frühe Förderung benachteiligter, entwicklungsauffälliger und behinderter Kinder

Herausgeber: Speck, Otto / Hollmann, Helmut / Peterander, Franz / Simoni, Heidi / Walthes, Renate

1. Auflage Heft 1, 2010.

€ [D] 29,00 / € [A] 29,90

DOI: 10.2378/fi2010.art02d
Michele Noterdaeme:
Früherkennung und Frühdiagnostik tief greifender Entwicklungsstörungen: Wo ist das Problem?

2010, 13-21

Neuere Untersuchungen belegen eine deutlich höhere Prävalenz für Störungen aus dem autistischen Spektrum als die ersten epidemiologischen Untersuchungen erwarten ließen. Eine frühe Erkennung und somit eine frühe störungsspezifische Behandlung sind für eine günstige Prognose von entscheidender Bedeutung. In dieser Untersuchung wird der Frage nachgegangen, in welchem Alter die Diagnosestellung einer Autismus-Spektrum-Störung erfolgt. Die Stichprobe besteht aus 601 Patienten, bei denen zwischen 1997 und 2007 in der Abteilung für Entwicklungsstörungen des Heckscher-Klinikums die Diagnose einer tief greifenden Entwicklungsstörung gestellt wurde. Neben den Diagnosen auf den sechs Achsen des multiaxialen Schemas wurden das Alter der Patienten bei Beginn der Störung (erste Symptome) und das Alter bei der Diagnosestellung kodiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit der Diagnose einer frühkindlichen autistischen Störung im Alter von sechs Jahren diagnostiziert werden, Patienten mit einer atypischen autistischen Störung oder einem Asperger Syndrom mit neun Jahren. Bei Kindern mit einem Rett-Syndrom oder einer desintegrativen Störung wird die Diagnose im Alter von vier bzw. fünf Jahren gestellt. Insgesamt wird die Diagnose einer tief greifenden Entwicklungsstörung, v. a. wenn keine Intelligenzminderung vorliegt, relativ spät gestellt.

Summary: Recent epidemiological surveys show a much higher prevalence for autism spectrum disorders than the first studies in this field. Early diagnosis and intervention result in a better adaptation of children with autism spectrum disorders. The objective of our study is to analyse the age at diagnosis in a large clinical sample of patients with pervasive developmental disorders. The sample consists of 601 patients with a pervasive developmental disorder diagnosed at the department of Developmental Disorders of the Heckscher-Klinikum between 1997 and 2007. For all patients ICD-10 diagnoses were coded according to the multiaxial classification scheme. In addition to psychiatric diagnoses, age at onset (first symptoms) and age at diagnosis were recorded. Patients with childhood autism (F84.0) were diagnosed at the age of six years, patients with atypical autism (F84.1) or Asperger’s syndrome (F84.5) at the age of nine years. Children with Rett’s syndrome or disintegrative disorder were diagnosed at the age of four and five years respectively. Despite an early onset of the disorder, there is a substantial delay between onset and age at diagnosis, especially for the children without mental retardation.

Keywords: Early Detection and Early Diagnosis of Pervasive Developmental Disorders: What is the Problem?

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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