Frühförderung interdisziplinär

Zeitschrift für Frühe Hilfen und frühe Förderung benachteiligter, entwicklungsauffälliger und behinderter Kinder

Herausgeber: Speck, Otto / Hollmann, Helmut / Peterander, Franz / Simoni, Heidi / Walthes, Renate

1. Auflage Heft 3, 2009.

€ [D] 29,00 / € [A] 29,90

Josef Zihl, Katharina Hußlein, Julia A. Zihl:
Möglichkeiten und Grenzen der Gehirnplastizität: Implikationen für ein interdisziplinäres Konzept der Frühförderung
Prospects and Limits of Brain Plasticity in Developmental Disorders: Implications for an Interdisciplinary Concept of Early Intervention

2009, 99-114

Das Thema Gehirnplastizität spielt mittlerweile auch in der Entwicklungsforschung psychischer Funktionen eine zunehmend wichtigere Rolle. Die Forderung nach Berücksichtigung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse über die Entwicklung psychischer Funktionen, insbesondere im Bereich der (frühen) Kindheit, wird auch durch neue Bezeichnungen wie z.B. Neuropädagogik und Neurodidaktik deutlich. Gehirnplastizität wird als Grundlage sowohl für die spontane (Weiter-) Entwicklung von psychischen Funktionen als auch für Verbesserungen dieser Funktionen durch systematische Intervention bei frühkindlichen Entwicklungsstörungen angesehen. Dabei kommt der Wechselwirkung zwischen Umwelt und Übung eine besondere Bedeutung zu (sog. Umwelt- und Übungsabhängige Plastizität). Die Fähigkeit, über individuell angepasste (maßgeschneiderte) Lernprozesse eine Steigerung bzw. Weiterentwicklung beeinträchtigter Funktionen auf der Basis der Funktionsweise des Gehirns zu erreichen, bildet eine entscheidende Grundlage für alle Therapieansätze auch und gerade in der Frühförderung. Positive und negative Einflussfaktoren auf die Entwicklungsplastizität werden anhand von Beispielen für die Bereiche Aufmerksamkeit, Lernen sowie emotionale und soziale Funktionen dargestellt. Den Abschluss dieses Beitrags bilden Überlegungen zur Entwicklung von Vorgehensweisen für eine interdisziplinäre Frühförderung, zu der die klinische Entwicklungsneuropsychologie einen wesentlichen Beitrag leisten kann.

Summary: Brain plasticity plays an increasingly important role in research on the development of mental functions. The novel terms neuropedagogy and neurodidactics indicate the demand for incorporating neuroscientific findings into developmental research, particularly into research on (early) childhood. Brain plasticity is considered as the basis for spontaneous development and spontaneous progression of mental functions as well as for improving mental functions through systematic interventions in early developmental disorders. The interaction between environment and practice is of particular significance in this regard (so-called environment- and practice-dependent plasticity). The adaptation of learning processes to the individual‘s developmental needs, which are based on the principles of the working brain, are crucial for all treatment approaches, particularly in early intervention. Positive and negative factors influencing developmental plasticity are exemplified for attention, learning, and emotional and social functions. Discussing the significance of interdisciplinary early intervention and the importance of clinical developmental neuropsychology conclude the article.

Keywords: Brain plasticity, cognition, social functions, developmental neuropsychology, early intervention

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