Psychologie in Erziehung und Unterricht

Zeitschrift für Forschung und Praxis

Herausgeber: Köller, Olaf / Lewalter, Doris / Saalbach, Henrik / Walper, Sabine

Heft 1, 2019.

€ [D] 58,00 / € [A] 59,70

DOI: 10.2378/peu2019.art03d
Dr. Katharina Thoren, Prof. Dr. Bettina Hannover, Prof. Dr. Martin Brunner:
Empirische Arbeit: Welche Schulen machen mit beim Jahrgangsübergreifenden Lernen?

2019, 19-32

Im Schuljahr 2008/09 war Jahrgangsübergreifendes Lernen (JÜL) in der Berliner Schuleingangsphase verpflichtend eingeführt worden. Doch nicht alle Schulen übernahmen diese Reform. In dieser Studie untersuchen wir, inwiefern Schulen sich in Abhängigkeit davon, wie schnell und umfassend sie JÜL implementiert hatten, in Merkmalen ihrer Schülerschaft voneinander unterscheiden. Wir nahmen an, dass mit dem Ziel von JÜL, Heterogenität produktiv für das Lernen zu nutzen, die Reform für solche Schulen besonders attraktiv war, die eine heterogene Schülerschaft haben. Heterogenität wurde über die Anteile von Kindern mit (a) nichtdeutscher Erstsprache und (b) Lernmittelzuzahlungsbefreiung operationalisiert. Weiter wurde untersucht, ob sich die Leistungen der Kinder in Deutsch und Mathematik zwischen den Schulen unterschieden. Die Ergebnisse zeigen erwartungsgemäß, dass Schulen mit einer heterogenen Schülerschaft JÜL schnell und nachhaltig implementierten. Im zeitlichen Verlauf ließen sich, nach Kontrolle der Heterogenität der Schülerschaft, keine Leistungsunterschiede zwischen den Schulen feststellen. Die Ergebnisse werden hinsichtlich der Frage diskutiert, unter welchen Voraussetzungen Schulen Reformen implementieren und wie sich JÜL auf Bildungsergebnisse auswirken kann.

Summary: Starting in 2008, elementary schools in Berlin, Germany, were obligated to teach children of the first two grades in mixed-age classes. However, not all schools implemented the reform as expected. In this study, we investigate whether schools who differed from each other in the speed and the extent to which they had implemented the reform also differed in their student body. We expected that introducing mixed-age classes would be particularly attractive for schools challenged by a heterogeneous student body. Heterogeneity was operationalized via the proportions of students (a) with non-German first language and (b) from low socioeconomic families. We also investigated whether students’ achievement in German and mathematics differed between the schools. Results show that as expected, schools with a heterogeneous student body implemented the reform quickly and comprehensively. Controlling for heterogeneity, students’ achievement in German and mathematics was the same, irrespective of the implementation of mixed-age learning. We discuss under what circumstances schools implement reforms and whether mixed-age learning can improve student achievement.

Keywords: Mixed-age learning, implementation of school reform, openness to reform, ethnic student composition, socioeconomic student composition

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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