Matthias Paul Krause

Gesprächspsychotherapie und Beratung mit Eltern behinderter Kinder

Mit einem Vorwort von Jörg Fengler

1. Auflage 2002. 193 Seiten.

(978-3-497-01600-6) kt
€ [D] 19,90 / € [A] 20,50
(alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt.)

Kurztext

Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind an einer Behinderung leidet, können sie in tiefe seelische Krisen geraten. Angst, Abwehr, Ambivalenz, Trauer, dazu materielle und zeitliche Belastungen führen oft zu schweren Konflikten. Manchmal reagieren Eltern auch mit den Symptomen einer psychischen Erkrankung. Wie können Berater und Therapeuten diesen Eltern dabei helfen, neuen Mut zu kreativen Lösungen zu finden? Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Beratung oder Therapie ist das Einfühlungsvermögen der Helfer.
Das Buch folgt dem Personzentrierten Ansatz. Differenziert schildert der Autor, wie vielfältig Eltern auf die Krisensituation reagieren können. Eine wichtige Rolle für die Einordnung auftretender Symptome spielt der Lebenszusammenhang der Betroffenen. Praxisorientiert wird gezeigt, wie man mit immer wiederkehrenden Konfliktthemen umgeht, z. B. mit Abwehr, Schuldgefühlen, Erziehungsproblemen und Partnerkonflikten. Anschauliche Fallbeispiele machen deutlich, wie Berater und Therapeuten in der Gesprächsführung einfühlsam auf die Bedürfnisse der Eltern reagieren können.

StiftVom Autor ist außerdem lieferbar:
Elterngespräche Schritt für Schritt

Inhalt

Belastungen von Eltern behinderter Kinder: Psychische Symptome - Krisenverläufe (Die akute Krise - Die allmähliche Eskalation - Das Leben nach der Diagnose)

Krisenerleben aus Personzentrierter Sicht: Behinderung des Kindes als elterliche Lebenskrise - Die Beziehungskonstellation in der Kindheit - Erlebnisverarbeitung als akute Belastungsreaktion, als Posttraumatische Belastungsstörung, als Anpassungsstörung - Psychotherapie und Beratung

Thematische Schwerpunkte in der Beratung und Psychotherapie: Trauer und Trauervermeidung - Abwehr - Reale Belastungen - Aufopferung und Schuld - Erziehungsprobleme - Partnerkonflikte - Zukunftsängste – Hoffnung

Behandlungen: Fallbeispiele zu den Themen Angst, Zorn, Stagnation, Verstörung, ausbleibende Besserung, Entwertung des Partners, gegenseitige Vorwürfe in der Partnerschaft

Das vollständige und ausführliche Inhaltsverzeichnis können Sie sich als PDF-Datei hier herunterladen (mit Adobe Acrobat Reader, neueste Version, zu öffnen).

Autoreninformation

Dr. Matthias Paul Krause, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut (GwG, DAGG) und Supervisor (BDP), arbeitet am Kinderneurologischen Zentrum der Rheinischen Kliniken Bonn; Lehraufträge an den Universitäten Köln und Bonn.
In Verbindung mit dem Themenbereich seines Buches empfiehlt der Autor die Homepage des VIFF - Verein für Interdisziplinäre Frühförderung, die Sie durch einen einfachen Klick hier besuchen können.

Leseprobe

Während der Podiumsdiskussion zum Jubiläum einer Frühförderstelle meldete sich bei der Frage einer jüngeren Fachkollegin, wie man den Bewältigungsprozess bei Eltern behinderter Kinder beschleunigen könne, ein Zuhörer aus dem Publikum zu Wort. Er stellte sich als Vater eines nunmehr 27-jährigen, mehrfachbehinderten Sohnes vor und kommentierte die einsetzende Diskussion, dass seine Trauer trotz so vieler Jahre nie ganz verschwunden sei. Aber er habe das persönliche Glück gehabt, Menschen um sich zu haben und immer wieder auf welche zu treffen, mit denen er habe sprechen können.

Die Szene enthält zwei Aspekte, zwischen denen sich der Inhalt dieses Buches aufspannt. Zum einen zeigt sie, wie selbstverständlich Eltern behinderter Kinder irgendwann innerlich wie öffentlich zu ihrem Schicksal stehen und sich selbstbewusst die Freiheit nehmen, davon zu reden, wann immer ihnen danach zumute ist. Auf der anderen Seite steht der Hinweis auf eine Lebenskrise, die keine restlos verheilende Narbe zurücklässt.
Das Buch beschreibt, wie Eltern auf das Krisenereignis reagieren und welche psychologische Hilfe möglich ist, wenn sich die emotionale Krise verhärtet. Der erwähnte Redebeitrag zeigt bereits die Grenzen von Interventionen. Die Notwendigkeit von Begleitung und Unterstützung können wir erahnen, aber nicht alle Eltern brauchen professionelle Beratung zu ihrer Lebenssituation und noch weniger benötigen Psychotherapie. Die meisten mobilisieren aus eigenen Kräften kreative Lösungen, sich auf das behinderte Kind und die veränderte Familiensituation angemessen einzustellen. Sie spüren ihre Bedürfnisse und sprechen sie an, fordern Hilfe und nutzen sie. Viele verändern sich angesichts dieser Herausforderung, wachsen mit der Aufgabe über sich hinaus, entdecken neue Eigenschaften an sich oder ungeahnte Fähigkeiten. Dank einfühlsamer Unterstützung und praktischer Hilfe von Verwandten und Freunden meistern sie die Krise, sind ihrem Kind zugetan, räumen ihm seine besondere Rolle ein, ohne andere Familienmitglieder zu vernachlässigen, und finden damit mehr oder weniger rasch zu einer neuen, effizienten Familienstruktur. Um das behinderte Kind so zu akzeptieren, wie es ist, seine Entwicklung so anzunehmen, wie sie sich zeigt, und es seinen Fähigkeiten entsprechend in die Familie zu integrieren, erwarten sie völlig zu Recht ehrliche Antworten von Fachleuten – dazu gehört auch das Eingeständnis, etwas nicht zu wissen –, Mitgefühl und respektierendes Bemühen um Hilfeleistungen, wenn sie gewünscht werden.

Seit fast zwanzig Jahren arbeite ich als Psychologe und Psychotherapeut mit Eltern von behinderten und von Behinderung bedrohten Kindern – ausreichend lange, um Krisen, eigenwillige Lösungswege und Katastrophen, aber auch viele erstaunliche und glückliche Familienentwicklungen mitzuerleben.
Mein psychotherapeutischer Ausgangspunkt ist auch nach Weiterbildungen in Familientherapie und Psychodrama die Gesprächspsychotherapie geblieben. In ihrem Bemühen um eine aufrichtige, anteilnehmende Begegnung, im Vertrauen auf das konstruktive Potenzial und in der Überzeugung, dass Anerkennung und Akzeptanz des Therapeuten Schlüsselfaktoren im therapeutischen Prozess sind, erlebe ich die Personzentrierte Psychotherapie als angemessenste Form der Hilfestellung für seelisches Leid und zwischenmenschliche Auseinandersetzungen. In theoretischer Hinsicht hat sich diese Therapieform von einer Technik, emotionale Gefühlsinhalte zu verbalisieren (Tausch 1974), nun zu einer differenzierten, mehrdimensionalen Therapieform entwickelt. Gerade die einem auch mit Kindern arbeitenden Kliniker selbstverständliche frühe Entwicklungsgeschichte der Person wird in der modernen Personzentrierten Psychotherapie ernst genommen (Finke 1994).