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Bednorz, Peter / Schuster, Martin

Einführung in die Lernpsychologie


3., völlig neu bearb. und erw. Auflage 2002. 325 Seiten. 38 Abb. 8 Tab.

UTB-M (978-3-8252-1305-3) kt
€ [D] 24,90 / € [A] 25,60 / SFr 37,90

Kurztext

Was können uns Psychologen über Lernprozesse erzählen? In der langen Tradition der Lernpsychologie wurden verschiedenste Arten des Lernens untersucht: die Konditionierung einer Reaktion auf einen bestimmten Reiz, soziales Lernen durch Nachahmung eines Modells, Vergessen und Erinnern von sprachlichem Material bis hin zu bewusstem und unbewusstem Wissenserwerb.
Auch Nachbardisziplinen helfen uns dabei, Lernvorgänge zu erklären: Neurophysiologie und Gehirnforschung erkunden die materielle Basis von Lernen, Erinnern und Vergessen. Kognitionswissenschaften und der Forschungsbereich "Künstliche Intelligenz" verknüpfen Lernen mit den kreativen Vorgängen des Denkens und Problemlösens.
Dieses Buch gibt einen anschaulichen Überblick über psychologische Theorien des Lernens. Die Autoren erläutern traditionelle und moderne Ansätze, die empirisch und experimentell belegt werden. Sie zeigen, wie die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in zahlreichen Anwendungsfeldern wie Schule, Psychiatrie und Psychotherapie fruchtbar gemacht werden können.
Der didaktische Aufbau mit Marginalienspalte hilft bei der schnellen Orientierung im Text.

Inhalt

Neurophysiologische Grundlagen von Lernen und Gedächtnis

Klassisches Konditionieren: Kontiguitätsprinzip. Identitätsprinzip. Universalitätsprinzip

Operantes Konditionieren: Verstärkung. Verhaltensspezifität. Motivationslage. Bestrafungslernen. Fluchtlernen. Vermeidungslernen

Modellernen: Nachahmungsverhalten. Erwerb von Normen und Verhaltensstandards

Implizites Lernen: Beiläufiges, nicht bewusstes Lernen. Unbewusstes Gedächtnis und Wissen

Das Dreispeichermodell: Das sensorische Register. Kurzzeitspeicher. Langzeitspeicher. Alternative Gedächtnismodelle. Emotion und Lernen

Wissensformen: Phonologische Speicherung. Bildhafte Speicherung. Abstrakt-bedeutungsbezogene Speicherung. Schema und Skript

Das autobiografische Gedächtnis: Kindheitsamnesie. Autobiografisches Gedächtnis im Alter. Flashbulb Memories. Störungen des autobiografischen Gedächtnisses

Künstliche Intelligenz und Gedächtnismodelle: Simulationen von Gedächtnissystemen. Neuronale Netze

Lern-Lehr-Strategien: Loci-Technik. Verständlichkeit von Texten. Netzplantechnik und Mind-Maps. Lernverhalten

Lernfähigkeit und Lernstörungen: Messung der Lernfähigkeit. Geschlechtsunterschiede. Abweichung von der normalen Lernfähigkeit. Amnesieforschung. Gedächtniskünstler

Lern- und Gedächtnisentwicklung: Reifung. Training. Metamemory. Entwicklung von Lernstrategien. Lernfähigkeit im höheren Lebensalter

Klinisch relevante Formen des Lernens: Konditionierungsmodelle der Furcht, des Vermeidungsverhaltens. Therapeutische Anwendung

Das vollständige und ausführliche Inhaltsverzeichnis können Sie sich als PDF-Datei herunterladen (mit Adobe Acrobat Reader, neueste Version, zu öffnen).

Autoreninformation

Dr. Peter Bednorz, Dipl.-Psychologe, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Psychologischen Institut der Universität zu Köln.

Prof. Dr. Martin Schuster, Dipl.-Psychologe, lehrt an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. 2001 erschien die 2. Auflage seines Buches Kinderzeichnungen

Leseprobe

Die wissenschaftliche Erforschung von Lernvorgängen hat eine lange Tradition. Sie reicht zurück in die Anfänge der Psychologie als Wissenschaft überhaupt. Aber während die meisten psychologischen Fragestellungen und Problembereiche für viele Jahrzehnte noch sehr spekulativ angegangen wurden, die Gültigkeit von Zusammenhängen und Verursachungen psychischer Prozesse danach beurteilt wurde, ob sie denknotwendig aus einem geschlossenen Gedankengebäude ableitbar waren, entwickelte sich die Lernpsychologie ganz anders. Sie stand von Beginn an auf dem Boden eines experimentellen und auch zahlenmäßig erfassbaren Vorgehens.

Ebbinghaus ist der bedeutende Vertreter dieser Forschungsrichtung um die Jahrhundertwende. Er hat, als seine eigene Versuchsperson, im Laufe seines Lebens Tausende von sinnlosen Silben auswendig gelernt. Sinnlose Silben deshalb, weil sie am wenigsten durch Vorerfahrungen belastet schienen. Dabei hat er Gedächtnisprüfmethoden entwickelt, die bis auf den heutigen Tag gültig sind. Die Frucht seiner Bemühungen zeigte sich unter anderem in der Darstellung einer Lernkurve. Die meisten der auf diesem Gebiet tätigen Forscher fühlten sich einer wissenschaftlichen Vorgehensweise verpflichtet, die den Naturwissenschaften zu ihrer überragenden Bedeutung verholfen hatte.

Nicht jeder Forscher entwickelte seine eigene, vorgeblich alles erklärende Lernpsychologie – mit der Folge, dass nichts zusammenpasste, und alle jeweils immer wieder von vorn beginnen mussten. Vielmehr untersuchten zahlreiche Forscher einige wenige empirisch zu beobachtende Phänomene unter den verschiedensten Gesichtspunkten, aber mit vergleichbaren Methoden. Das Forschungsinteresse konzentrierte sich zumindest am Anfang auf kleine Teilgebiete, so dass scheinbar eine Aufsummierung des Wissens möglich wurde. Als besonders wichtig stellte sich heraus, dass fast alle Einzelergebnisse mehrfach von verschiedenen Experimentatoren wiederholt überprüft wurden. Erst wenn das der Fall war, wurden sie in den stetig wachsenden Bestand gesicherter Erkenntnisse aufgenommen.

Diese Arbeitshaltung ist bis heute – auch weiterhin im Gegensatz zu vielen anderen Forschungsgebieten der Psychologie – für das Lernen überwiegend erhalten geblieben, wenngleich dem kritischen Leser mittlerweile Zweifel an der „Kumulation“ von Erkenntnissen kommen können. Für sicher gehaltene experimentelle Ergebnisse, wie das „Chunking“ im Kurzzeitspeicher, werden wenige Zeit später durch neue Erkenntnisse ersetzt.