Öffentlich mitreden!

Ein Interview mit unserem Autor Andreas Kirberger


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Der Begriff Rhetorik erscheint vielen Menschen als abstrakt und doch ist diese "Kunst des Redens" nicht aus unserem Alltag wegzudenken. Jede Ansprache oder Präsentation ist eine Gelegenheit, bei der uns rhetorische Fähigkeiten zugute kommen können. Das gilt natürlich besonders für Menschen, die in ihrem beruflichen oder privaten Kontext häufig vor Menschen sprechen. In unserem Interview verrät uns Andreas Kirberger, warum Rhetorik so wichtig ist, wie man beim Reden überzeugt und wie man gegen das ungeliebte Lampenfieber ankommen kann.

 

Herr Kirberger, Sie sind Rhetoriktrainer und geben Seminare, in denen man Rhetorik erlernen kann. Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig diese "Redekunst" zu beherrschen?

Rhetorik hilft, von anderen besser verstanden zu werden, eigene Interessen besser zu vertreten und Konflikte besser zu lösen. Viele Versammlungen sind unproduktiv und dauern viel länger als notwendig. Rhetorische Fertigkeiten dienen dazu, Besprechungen und Versammlungen wesentlich kürzer und produktiver zu gestalten, ohne dabei demokratische Regeln zu verletzen.


Für wen haben Sie vor allem Ihr Buch geschrieben? Wen wollten Sie erreichen?

Dieses Buch ist für all diejenigen geschrieben, die sich gesellschaftlich engagieren wollen, sei es in einem Verein, in einem Verband, in der Kirche, in der Gewerkschaft oder in einer Partei. Leser finden in diesem Buch Hilfestellungen, um (auch unter Zeitdruck) eine verständliche und überzeugende Rede zu verfassen, eine Versammlung vorzubereiten und durchzuführen. Es gibt auch Antworten auf spezielle Fragen, wie z.B.: "Wie stelle und begründe ich einen Antrag?", "Wie führe ich eine Wahl durch?" oder "Wie schreibe ich eigentlich ein Protokoll oder eine Pressemitteilung?".


In Ihrem Buch schreiben Sie über die "Kunst des Scheins". Welche Fähigkeiten braucht man vor allem, um sich gut zu verkaufen und zu präsentieren?

Rhetorik wird oft als eine "Kunst des Scheins" missverstanden. Das Publikum hat jedoch meist ein sehr feines Gespür, wenn jemand versucht, sie zu manipulieren. Wenn hingegen die Zuhörer merken "Der Redner hat meine Sichtweise und Problemlage verstanden, hat sich mit mir und meinen Bedürfnissen wirklich auseinandergesetzt", dann entsteht eine Basis des gegenseitigen Verstehens, auf der die Zuhörer bereit sind, sich für die Anliegen eines Redners zu öffnen. Deshalb sind die Redestrukturen in meinem Buch so konzipiert, dass der Leser seine Rede aus der Perspektive seiner Zuhörer entwickeln kann.


Im zweiten Kapitel Ihres Buchs wird das Thema Lampenfieber behandelt. Kann man diese Angst vor dem öffentlichen Auftritt tatsächlich in den Griff bekommen?

Ja, in der Tat. Wenn ich "perfekt" sein möchte, wächst der Erfolgsdruck ins Unendliche. Wenn ich jedoch den Anspruch habe, dass andere mich verstehen und sich ernst genommen und respektiert fühlen, dann verlieren Fehler und Versprecher ihre Dramatik. Körperliche Symptome wie Herzklopfen oder eine zittrige Stimme lassen sich z.B. mit Atemübungen spürbar reduzieren.


Noch eine Frage zum Schluss: Wann waren Sie denn das letzte Mal so richtig begeistert von einer Rede oder einem Vortrag?

Ich bin immer wieder begeistert von meinen Schülerinnen und Schülern, die ich jedes Jahr auf die Debattiermeisterschaft der Gymnasien im Kreis Schleswig-Flensburg vorbereiten darf.