Psychologie in Erziehung und Unterricht

Zeitschrift für Forschung und Praxis

Herausgeber: Köller, Olaf / Lewalter, Doris / Saalbach, Henrik / Walper, Sabine

1. Auflage Heft 2, 2005.

€ [D] 55,00 / € [A] 55,00

Christiane Pruisken, Detlef H. Rost:
Hochintelligent und besonders interessiert?
Gifted and Specially Interested?

2005, 100-112

In Elternratgebern und Checklisten wird häufig behauptet, hochbegabte Kinder zeichneten sich durch eine besondere, von ihrer Altersgruppe abweichende Interessenlage aus. Zur Überprüfung dieser These wurden drei Stichproben von Grundschulkindern (4. Jahrgangsstufe) mit standardisierten Verfahren zu Freizeit- und Schulinteressen befragt: 116 intellektuell Hochbegabte (IQ: M= 135, s = 6), 116 intellektuell durchschnittlich Begabte (IQ: M= 102, s = 7), 116 Viertklässler (Zufallsstichprobe aus 544 unausgelesenen Schulkindern). Die Ergebnisse belegen eine hohe Übereinstimmung der Interessenlagen der drei Stichproben. Durchgängig höher – jedoch nur mit kleinen Effektgrößen – waren lediglich die Werte der Hochintelligenten in mathematischen Interessen. Im Gegensatz dazu wurden große Geschlechtsunterschiede im Sinne der Geschlechtsrollen beobachtet. Von diesen Befunden abweichende Aussagen in der Literatur zu Hochbegabung sind vermutlich auf Mutmaßungen und/oder methodisch defiziente Studien zurückzuführen. „Hochbegabungsspezifische“ Interessen können nicht als zentrales Argument für spezielle Hochbegabtenkurse herangezogen werden.

Keywords: Hochbegabung, Intelligenz, Interessen, Freizeitbeschäftigungen, Grundschulkinder, Marburger Hochbegabtenprojekt

In Elternratgebern und Checklisten wird häufig behauptet, hochbegabte Kinder zeichneten sich durch eine besondere, von ihrer Altersgruppe abweichende Interessenlage aus. Zur Überprüfung dieser These wurden drei Stichproben von Grundschulkindern (4. Jahrgangsstufe) mit standardisierten Verfahren zu Freizeit- und Schulinteressen befragt: 116 intellektuell Hochbegabte (IQ: M= 135, s = 6), 116 intellektuell durchschnittlich Begabte (IQ: M= 102, s = 7), 116 Viertklässler (Zufallsstichprobe aus 544 unausgelesenen Schulkindern). Die Ergebnisse belegen eine hohe Übereinstimmung der Interessenlagen der drei Stichproben. Durchgängig höher – jedoch nur mit kleinen Effektgrößen – waren lediglich die Werte der Hochintelligenten in mathematischen Interessen. Im Gegensatz dazu wurden große Geschlechtsunterschiede im Sinne der Geschlechtsrollen beobachtet. Von diesen Befunden abweichende Aussagen in der Literatur zu Hochbegabung sind vermutlich auf Mutmaßungen und/oder methodisch defiziente Studien zurückzuführen. „Hochbegabungsspezifische“ Interessen können nicht als zentrales Argument für spezielle Hochbegabtenkurse herangezogen werden.

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