körper - tanz - bewegung

Zeitschrift für Körperpsychotherapie und Kreativtherapie

Herausgeber: Eberhard-Kaechele, Marianne / Geuter, Ulfried / Koemeda-Lutz, Margit / Röhricht, Frank / Trautmann-Voigt, Sabine

1. Auflage Heft 3, 2013.

€ [D] 23,00 / € [A] 23,00

DOI: 10.2378/ktb2013.art09d
Helga Krüger-Krin:
Der unerhörte Blick im Körper der Frau
The Outrageous Look

2013, 103-110

In diesem Beitrag wird die Bedeutung des weiblichen Blicks im Sinne einer Spiegelung für die weibliche Selbstentwicklung beleuchtet. Auf der Grundlage einer Behandlungsstunde werden verschiedene Einflussfaktoren diskutiert, die dazu beitragen, dass das weibliche Begehren zu einem "unerhörten" wird. Damit wird auf die Doppelbedeutung von "unerhört" angespielt im Sinne einer Nichtbeachtung sowie von "unverschämt" bzw. "verboten". In diesen Bedeutungshof gehen soziokulturelle Weiblichkeitsvorstellungen ein, die die Weiblichkeit auf bestimmte Formen festlegen. Entsprechend wird das basale Bedürfnis nach umfassender sinnlich-affektiver Spiegelung der leiblich-affektiven Erfahrungen geschlechtsspezifisch eingeschränkt. Hierbei kommt v. a. die gesellschaftliche Tabuisierung weiblich-homosexueller Begehrensstrukturen zum Tragen. Im ersten Teil des Beitrags wird argumentiert, dass erst ein gendersensibler Blick Fehldeutungen und Pathologisierungen weiblich-sinnlicher Körperlichkeit im therapeutischen Raum verhindern kann, und dazu werden bedeutsame theoretische Hintergründe vorgestellt.

Summary: This article discusses the importance of the female gaze for the female development of self. Based on a therapy session different influences will be highlighted, which contribute to the perception of female desire as something "unheard of" - meaning both "forbidden" and "without response". Devaluating the female body by socio-cultural notions of femaleness plays a central role in this context. Consequently the client’s need to be reflected sensuously and affectively in all bodily and affective experiences faces significant gender-related restrictions such as the taboo of female homosexual desire. According to the first part of the article it is only the focus on gender issues which prevents misconstructions of female sensuous corporeality in a therapeutic setting. The client’s experience as well as the therapeutic handling of the "desire for the gaze" are discussed against a fundamental theoretical background.

Keywords: female desire, ­homosexual transference-countertransference, mental body experience, sociocultural idea of femaleness

Deutsch Abstract (dt.)



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