Psychologie in Erziehung und Unterricht

Zeitschrift für Forschung und Praxis

Herausgeber: Köller, Olaf / Lewalter, Doris / Saalbach, Henrik / Walper, Sabine

1. Auflage Heft 4, 2011.

€ [D] 55,00 / € [A] 55,00

DOI: 10.2378/peu2011.art14d
Alexander Wettstein, Jana Bryjová, Gerhard Faßnacht, Mascha Jakob:
Aggression in Umwelten frühadoleszenter Jungen und Mädchen. Vier Einzelfallstudien mit Kamerabrillen
Aggression in Environments of Adolescent Boys and Girls. Four Single Case Studies with Camera-Glasses

2011, 293-305

Die meisten Jugendlichen zeigen beim Eintritt in die Pubertät nur moderate Probleme. Aggressive Frühadoleszente in Heimen für verhaltensauffällige Jugendliche sind allerdings einer Doppelbelastung ausgesetzt. Zusätzlich zu bereits bestehenden Verhaltensproblemen sind sie bei der Bewältigung normativer Entwicklungsanforderungen besonders gefordert. Sie verfügen nur über ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsstrategien und leben oft in aversiven Umwelten. Aggressionsforschung fokussiert meist auf den Träger aggressiven Verhaltens. Wir richten in einer explorativen Studie den Blick auf die Umwelten aggressiver Frühadoleszenter im Alter von 12 Jahren und erheben mit Kamerabrillen ganze Tagesverläufe aus deren Perspektive. Dabei werden die Umwelten zweier Heimjugendlicher mit den Umwelten einer Kontrastgruppe zweier zu Hause lebender nicht aggressiver Frühadoleszenter in den Lebensbereichen Familie, Freizeit, Schule und Heimwohngruppe verglichen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die untersuchten Heimjugendlichen mehrfachen Entwicklungseinschränkungen unterworfen sind. Sie verfügen im Vergleich zur Kontrastgruppe über einen eingeschränkten Streifraum, weniger bedeutsame Interaktionspartner, eingeschränkten Peerkontakt und werden in Interaktionen mit Peers häufig selbst Opfer aggressiven Verhaltens.

Summary: Most individuals pass adolescence without excessive problems. However, aggressive ado-lescents with severe behaviour disorders living in residential homes are confronted with a difficult twofold task. Besides behaviour disorders, they might have to cope with environmental challenges which, presumably, go beyond their social-behavioural skills. Based on this hypothesis we introduced an ambulatory methodology for recording environmental scenes in which aggressive behaviour possibly arises. By means of glasses with a built-in camera, which were worn by two adolescents with severe external behaviour disorders, aged 12 years, we recorded their daily environmental scenes and interactions. These recordings were compared with environmental recordings of two adolescents -without behaviour disorders. The results indicate that adolescents in residential homes are more frequently exposed to aversive settings. They have less peer interaction, a reduced life space (Streifraum) and become more often victims of their peer’s aggressive behaviour than the contrast group.

Keywords: Aggression, interaction, conflict, adolescence, ambulatory assessment

Deutsch Abstract (dt.) | PDF Volltext



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